🌡️ Was die Preise bewegt
Klimawandel und der Eierpreis
Heiße Sommer, Missernten und veränderte Vogelzüge erreichen alle das Eierregal, aber selten so dramatisch, wie Schlagzeilen nahelegen. Der Sommer 2026 in Korea zeigt sowohl das Risiko als auch sein derzeitiges Ausmaß.
· 6 Min. Lesezeit
Kerndaten (live)
- 1Schweiz$8.61
- 2Island$6.78
- 3Norwegen$4.66
- 4Schweden$4.62
- 5Vietnam$4.45
- 6Uruguay$4.30
- 7Dänemark$4.13
- 8Australien$4.00
- 9Malta$3.86
- 10Hongkong$3.82
- 11Vereinigtes Königreich$3.70
- 12Litauen$3.62
- 13Ungarn$3.56
- 14Israel$3.53
- 15Italien$3.50
- 16Chile$3.44
- 17Luxemburg$3.38
- 18Zypern$3.32
- 19Österreich$3.29
- 20Kuwait$3.25
- 21Belgien$3.20
- 22Niederlande$3.20
- 23Frankreich$3.20
- 24Finnland$3.18
- 25Spanien$3.14
- 26Deutschland$3.14
- 27Philippinen$3.11
- 28Portugal$3.08
- 29Irland$3.07
- 30Estland$3.05
- 31Lettland$2.98
- 32Singapur$2.96
- 33Kanada$2.82
- 34Slowenien$2.80
- 35Tschechien$2.70
- 36Slowakei$2.64
- 37Polen$2.52
- 38Kroatien$2.50
- 39Oman$2.47
- 40Rumänien$2.46
- 41Brasilien$2.38
- 42Argentinien$2.36
- 43Südafrika$2.30
- 44VAE$2.21
- 45Georgien$2.12
- 46Nigeria$2.12
- 47Costa Rica$2.12
- 48El Salvador$2.10
- 49Bulgarien$2.08
- 50Mexiko$2.07
- 51Nepal$2.07
- 52Nicaragua$2.04
- 53Griechenland$1.98
- 54Katar$1.97
- 55Japan$1.96
- 56Kenia$1.95
- 57Sri Lanka$1.92
- 58Bahrain$1.91
- 59USA$1.89
- 60Indonesien$1.87
- 61Peru$1.86
- 62Kolumbien$1.85
- 63Sambia$1.81
- 64Marokko$1.79
- 65Panama$1.74
- 66Thailand$1.73
- 67Ecuador$1.69
- 68Südkorea$1.67
- 69Saudi-Arabien$1.60
- 70Türkei$1.56
- 71Dominikanische Republik$1.46
- 72Aserbaidschan$1.45
- 73Jemen$1.43
- 74Kasachstan$1.33
- 75Russland$1.33
- 76Libanon$1.30
- 77Algerien$1.24
- 78Malaysia$1.23
- 79Tunesien$1.21
- 80Moldau$1.10
- 81Jordanien$1.08
- 82Pakistan$1.08
- 83Bangladesch$1.01
- 84China$1.00
- 85Usbekistan$0.96
- 86Kirgisistan$0.94
- 87Indien$0.94
- 88Ukraine$0.94
- 89Bolivien$0.88
- 90Ägypten$0.78
- 91Iran$0.50
Der Klimawandel wird oft als Ursache steigender Lebensmittelpreise genannt, und Eier sind keine Ausnahme. Der Zusammenhang ist real, verläuft aber über mehrere getrennte Kanäle, die sehr unterschiedlich schnell wirken: Hitze im Stall, Wetter in den Getreideregionen und die Wanderung von Wildvögeln, die die Vogelgrippe übertragen. Sie einzeln und mit den Zahlen dieses Jahres zu betrachten, ergibt ein ehrlicheres Bild als jede Schlagzeile.
Erster Kanal: Hitzestress im Stall
Legehennen vertragen Hitze schlecht. Sie können nicht schwitzen; bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit fressen sie weniger und legen weniger, kleinere Eier mit dünnerer Schale. In einer kontrollierten Studie fraßen Hennen, die vier Wochen bei 33 °C und hoher Luftfeuchtigkeit gehalten wurden, rund 30 Prozent weniger Futter und legten rund 11 Prozent weniger Eier als Hennen bei angenehmer Temperatur. Extreme Hitze kann Tiere auch unmittelbar töten.
Der koreanische Sommer 2026 hat das auf die Probe gestellt. Bis zum 7. August zählte das Landwirtschaftsministerium fast eine Million hitzebedingt verendete Nutztiere, überwiegend Geflügel. Auf Legehennen entfielen davon jedoch nur rund 59.000 Tiere, etwa 0,08 Prozent des nationalen Bestands – weit weniger als der Anteil bei Masthähnchen. Das Ministerium stufte die Auswirkungen auf das Angebot als minimal ein und erwartete zugleich sinkende Eierpreise, weil Neueinstallungen und Importe das Angebot erhöhten. Die Hitze war also ein Kostenfaktor und eine Warnung, aber nicht das, was den Eierpreis in diesem Jahr bewegte.
Zweiter Kanal: Wetter in den Kornkammern
Für die meisten Eiermärkte liegt das größere Klimarisiko fern vom Hof – auf den Feldern, auf denen Mais und Soja für das Futter wachsen. Dürren und Hitzewellen in wichtigen Anbaugebieten schmälern die Ernten und treiben die Getreidepreise, und weil Futter der größte Kostenblock eines Eies ist, kommen diese Bewegungen Monate später im Regal an. Im September 2026 lag der FAO-Getreidepreisindex rund 17 Prozent über dem Vorjahr; als Ursachen wurden neben kriegsbedingten Störungen der Schifffahrt ein schwächeres Maisangebot aus den USA und Brasilien genannt.
Länder, die den Großteil ihres Futters importieren, wie Südkorea und Japan, spüren diesen Kanal am direktesten. Hier vermischen sich Klimaeffekte zudem mit anderen Faktoren wie Wechselkursen oder Konflikten, sodass sich kaum sagen lässt, welcher Teil eines bestimmten Preisanstiegs allein auf das Wetter zurückgeht.
Dritter Kanal: der Weg des Virus
Der folgenreichste Kanal ist womöglich der unsicherste. Die hochpathogene Aviäre Influenza wird vor allem von wilden Wasservögeln verbreitet, deren Zugzeiten und -routen sich mit milderen Wintern verschieben. Forschende bringen diese Verschiebungen mit einer breiteren und weniger vorhersehbaren Ausbreitung des Virus in Verbindung, auch in Regionen und Jahreszeiten, die früher ruhiger waren. Die Belege verdichten sich erst, und einen einzelnen Ausbruch dem Klimawandel zuzuschreiben, ist nicht möglich.
Klar ist, was auf dem Spiel steht. Die Vogelgrippe ist mit Abstand der größte Einzelfaktor hinter plötzlichen Eierpreissprüngen, wie die Keulung von mehr als 11 Millionen Legehennen in Korea im vergangenen Winter gezeigt hat. Werden Ausbrüche in einem wärmeren Klima häufiger oder weniger saisonal, wirkt sich der Klimawandel auf den Eierpreis vor allem über diesen Kanal aus – und nicht über die Hitze im Stall.
Anpassung kostet ebenfalls Geld
Die Betriebe passen sich an: bessere Lüftung und Kühlung, wärmereflektierende Dächer, angepasste Besatzdichte und Fütterungszeiten während Hitzewellen. In diesem Sommer förderte die koreanische Regierung Hitzeschutzbeschichtungen und Mittel gegen Hitzestress und betrieb einen Krisenstab. Diese Maßnahmen verringern Verluste, verursachen aber Strom- und Investitionskosten, die schließlich Teil des Eierpreises werden. Der Klimawandel kann Eier selbst in einem Jahr ohne Tierverluste verteuern – einfach weil es teurer wird, die Hennen bei angenehmen Bedingungen zu halten.
Das Signal lesen
Ehrlich zusammengefasst ist der Klimawandel derzeit ein langsamer Hintergrunddruck auf den Eierpreis, unterbrochen von gelegentlichen heftigen Effekten über Tierseuchen und Ernten. Die sichtbaren Preisbewegungen in Korea, Japan und den USA wurden 2026 vor allem von der Vogelgrippe und der Erholung danach bestimmt. Die Hitze war spürbar, spielte aber eine Nebenrolle. Beobachten sollte man in den kommenden Jahren, ob Ausbrüche häufiger werden – denn genau dort könnte ein wärmeres Klima aus einem Hintergrundkostenfaktor das Hauptereignis machen.